Archiv für den Autor: Andrea Lißner

Reale Einblicke und gewagte Ausblicke

Zum Themenblock 3 des SOOC möchte ich einen kleinen Einblick in die Praxis geben und einen mutigen Ausblick in die Zukunft wagen.

Ein (subjektiver) Blick in die Berufsschule

Der praktische Einsatz von OER ist bisher (in meiner persönlichen Wahrnehmung, ich lass mich da gern eines Besseren belehren) eher mäßig verbreitet. Ich möchte einmal kurz aus der Berufsschule berichten.

Eines Morgens im Dezember 2012 erreiche ich das Berufsschulzentrum für Wirtschaft und Gastronomie in einer Musterstadt in Sachsen. Der erste Blick ins Lehrerzimmer lässt erahnen: Hier dominieren Over-Head-Folien (oder „Polylux“ wie wir im Osten zu sagen pflegen) und Kreidestaub die Mediendiaktik des Unterrichts. Die erste Hospitationsstunde naht: „Nehmen Sie mal bitte die Arbeitsblätter mit“ fordert mich meine Mentorin auf. Ein Blick auf die Kopiervorlage lässt mich erschaudern: schwarze, ausgefranste Kopierränder, kaum lesbare Schriftgröße, fehlende Zeilen am unteren Rand. Naja, die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler soll ja auch geschult werden…. In der Klasse kommen dann Over-Head-Projektor, eine leere Folie samt Foliestift zum Einsatz. Bei jedem dritten Satz, geht eine der Schülerhände hoch: „was heißt das?“ oder „noch nicht hochschieben, ich muss noch fertig abschreiben?“ oder „Sie stehen im Bild!“. Ich vermerke in meinem Hospitationsprotokoll: „Niemals Folien auf dem Polylux beschreiben, lieber Tafel nutzen“. Die Tafel kann heute erst genutzt werden, nachdem ein Schüler das Tafelbild der letzten Stunde beseitigt hat. Die ersten 10 Minuten der Stunde gehen also für das Tafelwischen drauf.

Nun sind  wir fast am Ende der Stunde angelangt: Zusammenfassend soll noch ein Text im Lehrbuch gelesen und die Aufgabe dazu bearbeitet werden. Nach ca. 7 Minuten des Durchtauschens der vorhandenen Lehrbücher hat dann wenigstens jeder Tisch ein Exemplar. Notizen im Buch oder Anmerkungen zum Text sind natürlich nicht denkbar.

Geschafft: Eine Stunde zum Thema „Zubereitung von Fischgerichten“ ist vorbei. Medienmix vom Feinsten: Tafel, Overheadprojektor und Lehrbuch kamen zum Einsatz. Nicht zu vergessen natürlich unser hervorragend zu lesendes Arbeitsblatt.

Das ist nun ein Jahr her, ich glaube nicht, dass sich viel verändert hat. Nun möchte ich einmal (ganz kurz, ist schon so viel Text) skizzieren, wie ich mir das in der Zukunft vorstelle.

Der Blick nach vorn

Wie stelle ich mir die Stunde zum Thema „Zubereitung von Fischgerichten“ unter Nutzung digitaler Medien und OER vor?

Mein Blick ins Lehrerzimmer: Schreibtische mit Laptop, ein rollbarer Schrank mit automatischen iPad-Lade-Docks, Steckdosen überall. Und sonst? Nichts. Das aufgeräumteste Lehrerzimmer, das ich mir vorstellen kann. Keine Papierberge mit Klausuren, Arbeitsblättern und Elternbriefen. Keine riesigen, vollgestopften Bücherregale.

Auf dem Weg in die Klasse sagt meine Mentorin zu mir: „Heute brauchen wir keine Tablets für die Schülerinnen und Schüler mitnehmen, denn alle haben ihr eigenes.“ (ja, sie gendert!) In der Klasse steht ein interaktives Whiteboard, WLAN gibt es sowieso. Im Unterricht werden Videos auf Youtube angeschaut: Wie filettiere ich die Forelle? Über die Kommentarfunktion werden auch kritische Anmerkungen zu den Arbeitsschritten direkt ins Netz gepostet. Kurze Lehrervorträge werden mit Anschauungsmaterial und interaktiven Grafiken unterstützt. Mitgeschrieben wird direkt auf dem Tablet.

Ein zusammenfassender Lehrbuchtext: Brauchen wir heute nicht. Die Schülerinnen und Schüler loggen sich ins Lernmanagementsystem ein und generieren kleine Wissensfragen, teilen sie untereinander und beantworten die Fragen. Lernen durch Lehren. Die Fragen werden natürlich auch gleich automatisch CC-BY lizenziert und auf die Edutags Plattform hochgeladen. Beste Voraussetzungen für den nächsten Jahrgang – und für die Welt, die sich mit der „Zubereitung von Fischgerichten“ befassen möchte. Eine Unterrichtsstunde, viele offene Lernressourchen genutzt, erstellt und weitergegeben.

Eure Andrea

Couch statt Hörsaal?

Ist die Zukunft der Uni digital? Brauchen wir überhaupt noch Hochschulgebäude dafür – oder lernen wir nicht vernetzt vor dem Laptop viel besser als in einem überfüllten Hörsaal? Diese Frage hat euch bislang am meisten beschäftigt.

Die erste Woche ist für uns SOOC-Gastgeber und -Mitarbeiter immer mit viel Spannung verbunden: Klappt alles wie geplant? Haben wir an alles gedacht? Und vor allem: Ziehen die Teilnehmer mit? Seit Montag sind über 20 Beiträge in den Blog-Aggregator eingegangen. Auch das Portfolio-Formular füllt sich immer mehr mit Blog-Beiträgen, Aufgaben und Kommentaren, die Badge-Vergabe läuft auf Hochtouren.

Was sagen die Teilnehmer?

Lernen und Lehren 2.0: (Lern-)Theorien und Gestaltungsansätze – zugegeben: Das klingt erstmal ziemlich trocken. „Ganz ehrlich gesagt bin ich immer noch dabei mir alles anzusehen, zu lesen und zu verstehen“, sagt auch SOOC-Teilnehmerin ejuba. Die Informationsvielfalt im Netz ist immens, allein der deutsche Suchbegriff „Konnektivismus“ bringt auf Google ungefähr 7.900 Ergebnisse (das englische „connectivism“ übrigens rund 487.000). Wie dort zurechtfinden? Filtern, Auswählen, Selektieren – gut, aber woher wissen wir, was wichtig und richtig und was irrelevant und falsch ist? Durch den „Sog“ der Masse? Wir haben hier darüber diskutiert.

Creating her own way von HikingArtist.com (CC-BY-NC-ND)

In was für einer Gesellschaft leben wir und welcher Auftrag an die Bildung und Weiterbildung ergibt sich daraus? Austrellia – offenbar eine „digital native“ – fasst ihre persönliche Erfahrung auf Ihrem Blog so zusammen:

„Da ist man als Lebewesen im Zeitalter der neuen Technologien und Medien in verschiedenster Weise vernetzt, ist Teil von verschiedenen sogenannten Social Networks, posted, shared, liked (oh man, alles beruht auf der englischen Sprache) hin und wieder mal was und denkt man weiß Bescheid, was in der Online-Welt so abgeht – aber nix da. Mir ist mal wieder bewusst geworden, dass es selbst in den Bereichen, von denen man denkt sich einigermaßen auszukennen, noch so unglaublich viel zu lernen gibt und dieser Lernprozess wahrscheinlich niemals enden wird.“ Austrellia.

Fabienne, ehemalige Teilnehmerin des SOOC13, nun Mitarbeiterin im SOOC1314 und Verfasserin dieses Textes beschreibt im Rückblick Ihre ersten Erfahrungen als MOOC-Lernerin: „Als ich im letzten Semester als Teilnehmerin dabei war, ging es mir ähnlich: Wo soll ich überhaupt anfangen? Mir haben die Aufgaben geholfen, um zu verstehen, worum es eigentlich geht.“

Was diese Woche bewegt

Viele von euch haben gezeigt, wie ihre persönliche Lernumgebung aussieht: Monika E. König gewährt uns einen Einblick in ihre Tasche, einfach und übersichtlich hält es annalenazeitler mit ihrer PLE-Visualisierung und Diamondsooc macht sich ausführlich über ihren Lernort Gedanken.

Immer wieder Thema ist der Sinn und Unsinn von E-Learning in verschiedenen Kontexten. Wann Diamondsooc E-Learning auf keinen Fall dem „real life“ vorziehen erklärt sie hier.

Die Diskussion um xMOOCs und cMOOCs und die Unterscheidung beider Formen bewegt offenbar nicht nur die Gastgeberinnen: Flori81 hat einen Kommentar Pro konnektivistische MOOCs verfasst – und stellt fest: „Ich habe dabei die Möglichkeit, eigenständig zu vertiefen und so vom Hölzchen aufs Stöckchen zu kommen.“ Er fände es übrigens auch interessant, Gegenargumente zu lesen. Einen Gegenkommentar also. Tolle Aufgabe – und wir geben sie gleich mal weiter: Wann könnten cMOOCs beim Lernen eher unpraktisch sein? Zu welchem Thema würdet ihr auf gar keinen Fall einen cMOOC besuchen – und was wären die Alternativen? Und: Welche Probleme können im Rahmen eines cMOOCs auftreten? Wer außerdem zum Thema noch mehr lesen und diskutieren möchte: Nathan Heller hat im „New Yorker“ einen wunderbaren Artikel zur (Online-)Zukunft der Universitäten veröffentlicht.

„Couch statt Hörsaal“ war auch das Thema der dieswöchigen eScience Saxony Lecture mit Prof. Dr. Christoph Meinel vom Hasso-Plattner-Institut. Prof. Meinel gibt darin einen interessanten Einblick in die Welt der xMOOCs in Deutschland und plaudert aus dem Nähkästchen der Organisationen des openHPI. Verpasst? Kein Problem, in Kürze ist die Aufzeichnung hier zu finden.

Und da war doch noch was? Ach ja, die Jecken sind los!

Mit dem Start der Online-Phase am 11.11. mussten wir uns natürlich auch noch eine Sonderaufgabe überlegen, eine, die auch die Jecken unter euch weckt: Der SOOC1314OFF – OnlineFaschingsFlashmob. Dabei entstand ein SOOC-Advertising-Video, ein Konnektivismus-Video (aus dem ihr erfahren könnt, was  GoogleMaps und Eierkuchen mit Konnektivismus zu tun haben) und eine gesellschaftskritische AnalogieNicht zu vergessen natürlich das tolle Kick-off-Video zum Flashmob von unserer Anja.

Soweit der kleine Rückblick auf eine ereignisreiche und spannende erste Woche! Wir sehen uns am Dienstag zur Live-Session – und verfolgen auch bis dahin gespannt alle SOOC-Aktivitäten auf den Blogs, Facebook, Google Plus und Twitter!

 

 

 

Startschuss zur Online-Phase: Heute beginnt der Themenblock I

Eigentlich sind wir schon mittendrin im SOOC1314: hier, hier und an ganz vielen anderen Stellen sind die Diskussionen schon heiß gestartet und durch die Initiative der Teilnehmenden gibt es bereits eine Facebook-Gruppe und eine Google+Community. Aber erst heute geben wir offiziell den Startschuss zum ersten Themenblock: „Lernen und Lehren 2.0: (Lern-)Theorien und Gestaltungsansätze“

In den nächsten zwei Wochen wollen wir uns mit Lerntheorien und den Auswirkungen der digitalen Gesellschaft auf klassische didaktische Gestaltungsansätze auseinandersetzen. 

Als kleine Überraschung haben wir für Euch auch noch eine Faschingsaufgabe vorbereitet, seid gespannt und schaut um 11:11 Uhr auf der Kurs-Seite vorbei!

Einstiegsmaterialien sowie Aufgaben und alle wichtigen Infos zum Themenblock I findet Ihr hier unter dem Reiter “Programm”.

Und schon wieder mittendrin!

Kaum sind die letzten Blog-Einträge des SOOC13 in der RSS-Timeline nicht mehr ohne größeren Scrollaufwand zu sehen, geht es auch schon wieder neu los: mit dem SOOC13/14. Gestern starteten wir online wie offline mit vielen engagierten Teilnehmenden und natürlich allen GastgeberInnen.

Die Online-Aufzeichnung können Sie sich bereits hier anschauen.

Am Standort Weberplatz der TU Dresden trafen sich alle Dresdner zum Präsenzworkshop. Der Raum platzte aus allen Nähten, wir konnten uns aber dennoch ganz gut arrangieren. Kurze technische Anfangsschwierigkeiten waren pünktlich zum Start um halb 6 ausgeräumt.

Nach einer kurzen Einführung zu den Eckdaten des Projektes, wagten wir trotz der hohen Teilnehmendenzahl eine Vorstellungsrunde. Gut so, denn es war wirklich spannend, wie heterogen die Gruppe zusammengesetzt ist: vom Maschinenbauer, über die Germanistin bis hin zu Wirtschaftsinformatikern, vom Facebook-aholic bis zum Social-Media-Neewbie, vom MOOC-Spezialisten zur Online-Kurs-Jungfrau. Also die perfekte Voraussetzung für richtig interessante und lehrreiche 9 Wochen.

Wer-bin-ich-Flipchart

Wer bin ich? Was studier ich? Warum bin ich hier? Welche Sozialen Netzwerke nutze ich?

Nach der E-Mail, welche von ausnahmslos jedem genutzt wurde, aber eher im Web 1.0 rangiert, folgte direkt Facebook als meistgenutztes Medium. Twitter, Skype, Dropbox, Instagramm teilen sich in etwa Platz 3 und Persönliche Websites/Blogs und Xing wurden eher selten genannt.

Eine SOOC-Facebook-Gruppe wird es also geben: administriert durch unsere Facebook-aholic 😉

 

 

 

 

 

Auch die Erwartungen und Ängste der Teilnehmenden haben wir natürlich eingefangen: SAMSUNG

Die Bedenken, dass man aufgrund der Freiheit bei der zeitlichen Strukturierung der eigenen Arbeit, vergisst etwas für den SOOC zu tun, werden wir mithilfe von RSS, Blogaggregator und E-Portfolio-Aufgaben versuchen zu zerstreuen.

Bei einem Kurs, an dem viele Personen miteinander interagieren sollen, werden hohe Anforderungen an die Strukturierung und Organisation der Kanäle der Teilnehmenden gestellt. Diese Anforderungen versuchen wir mit technischer Unterstützung und viel Engagement zu erfüllen.

Konflikte und Probleme, die im (digitalen) sozialen Raum entstehen, sind individuell mit der Unterstützung der GastgeberInnen zu lösen.

 

 

weitere Impressionen der Veranstaltung:

SAMSUNG                      SAMSUNGSAMSUNG   SAMSUNG    SAMSUNG

 

Und natürlich die Präsentation: